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Berchtesgaden

Sehenswürdigkeiten in Berchtesgaden

Sehenswürdigkeiten, Sagen & Kultur – die Stopps, die eine Tour erst rund machen.

Sehenswert

Sehenswürdigkeiten im Berchtesgadener Land: Königssee, Kehlstein und Ramsau

Die Region packt auf engem Raum mehr Postkartenmotive zusammen als manch ganzes Bundesland. Die Parksituation gehört dabei in die Planung: Die großen Ziele sind auf Bustouristen ausgelegt, nahezu alle zentralen Parkplätze sind kostenpflichtig, und Motorräder finden meist nur am Rand eine Lücke.

Königssee und St. Bartholomä

Der Königssee ist das Herzstück des Nationalparks und liegt tief eingebettet zwischen steil aufragenden Felswänden. Anreise über Schönau am Königssee; der große, gebührenpflichtige Parkplatz in der Seestraße liegt nahe der Anlegestelle Seelände, von dort sind es wenige Schritte zum Bootssteg. Auf dem See verkehren leise Elektroboote zur Wallfahrtskirche St. Bartholomä mit ihren markanten Zwiebeltürmchen – die Fahrt dorthin dauert rund 35 Minuten. In den Sommermonaten geht es weiter bis zur Endstation Salet (große Rundfahrt, etwa eine Stunde einfach); diese Verbindung wird erst ab Ende April bedient. Der Sommerfahrplan 2026 läuft etwa vom 25. April bis 11. Oktober. Das Motorrad bleibt am Parkplatz, der Rest ist Wasser und Wandern – aber die Anfahrt durchs Königsseer Tal lohnt sich allein.

Kehlsteinhaus (Eagle's Nest)

Das Kehlsteinhaus thront auf 1.834 Metern über dem Obersalzberg. Da die Kehlsteinstraße für Privatfahrzeuge gesperrt ist, parkt man am gebührenpflichtigen Parkplatz Obersalzberg (Salzbergstraße 45, 83471 Berchtesgaden) und nutzt den Linienbus der Kehlsteinlinie. Die Saison reicht witterungsabhängig etwa von Anfang/Mitte Mai bis Mitte/Ende Oktober (Eröffnung 2026 am 7. Mai); die Busse fahren in der Sommersaison täglich von rund 8:30 bis 16:00 Uhr im etwa 25-Minuten-Takt, die Hin- und Rückfahrt kostet für Erwachsene rund 34,70 Euro. Wer einen Platz im Bus sicher haben will, ist früh am Parkplatz – am späten Vormittag wird es in der Ferienzeit eng. Der Blick von oben reicht weit über das Tal; der historische Hintergrund (siehe Schlechtwetter-Stopps) gehört dazu.

Watzmann und Ramsau

Der Watzmann (2.713 m) ist das Wahrzeichen der Region und mit seiner Silhouette von fast überall präsent. Eines der meistfotografierten Motive der Alpen findet sich im Dorf Ramsau: die Pfarrkirche St. Sebastian, erbaut 1512 und um 1700 mit der charakteristischen Zwiebelhaube versehen. Mit der Reiteralpe im Hintergrund und dem Wildbach davor ergibt sich das klassische Alpen-Postkartenbild. Direkt am Ortskern gibt es Parkmöglichkeiten; das Motorrad lässt sich hier unkompliziert abstellen.

Hintersee und Zauberwald

Vom Ramsauer Ortskern führt eine kurze, reizvolle Strecke zum Hintersee, der von der Künstlerkolonie des 19. Jahrhunderts gemalt wurde. Der angrenzende Zauberwald mit seinen moosbewachsenen Felsblöcken ist ein lohnender Spaziergang nach der Anfahrt. Auch hier füllen sich die Parkplätze am Wochenende früh; die kostenpflichtigen Flächen am Seeufer sind morgens am ehesten frei.

Wimbachklamm

Bei Ramsau, rund sieben Kilometer vom Berchtesgadener Zentrum entfernt, liegt die Wimbachklamm – mit etwa 200 Metern eine der kürzesten Klammen Bayerns, aber eindrucksvoll. Der Zugang ist üblicherweise von 1. Mai bis 1. November geöffnet (witterungsabhängig), der Eintritt wird am Kassenautomaten als Münze für das Drehkreuz gelöst. Der gebührenpflichtige Parkplatz Wimbachbrücke ist Ausgangspunkt und beherbergt zugleich die Nationalpark-Infostelle. Ein guter, kurzer Fußweg-Stopp nach der Anfahrt.

Bad Reichenhall

Im Norden der Region liegt die Kurstadt Bad Reichenhall – über die B20 gut angebunden und der praktischste Ausgangspunkt für die nördlichen Runden. Parkplätze finden sich rund um die Altstadt und am Kurpark, die Salzgeschichte des Ortes ist ein eigenes Regentag-Thema.

Kultur & Sagen

Sagen um Watzmann & Untersberg: Mythen der Region

Kaum eine Region trägt ihre Mythen so sichtbar im Gestein wie das Berchtesgadener Land. Die markanten Gipfel haben über Jahrhunderte Sagen hervorgebracht, die bis heute erzählt werden – wer sie kennt, sieht die Berge mit anderen Augen.

König Watzmann und die versteinerte Familie

Der Sage nach herrschte einst ein grausamer König namens Watze mit seiner Frau und seinen Kindern über das Land am Königssee. Bei einer Jagd soll er seine Hunde auf eine Bauersfamilie gehetzt haben. Eine Mutter verfluchte daraufhin den König und flehte Gott an, den Verhassten samt Familie zu Stein erstarren zu lassen. Seit diesem Fluch steht der König Watzmann der Sage nach versteinert über dem Berchtesgadener Tal: der große Watzmann (2.713 m), daneben die kleinere Watzmannfrau (auch Kleiner Watzmann, 2.307 m) und dazwischen die kleineren Gipfel, die Watzmannkinder. Einer Variante zufolge floss das Blut der königlichen Familie zusammen und bildete den Ursprung von Königssee und Obersee.

Kaiser Karl im Untersberg

Der Untersberg, der freistehende Bergstock zwischen Salzburg und Berchtesgaden, gilt als einer der sagenumwobensten Berge der Alpen. Der bekanntesten Sage nach wartet Kaiser Karl der Große im Inneren des Berges auf seine Wiederkehr. Alle hundert Jahre erwache er; sehe er, dass noch immer Raben um den Gipfel kreisen, schlafe er ein weiteres Jahrhundert. Versorgt werde er in dieser Zeit von den Untersberger Mandln, zwergenhaften Wesen. Erst wenn die Not am größten ist und die Raben verschwunden sind, so heißt es, werde der Kaiser erwachen und mit seinem Gefolge zum Birnbaum auf dem Walserfeld reiten. In einer anderen Überlieferung schläft an seiner Stelle Friedrich Barbarossa, dessen Bart sich um einen runden Tisch windet – ist die dritte Umrundung vollendet, beginne das Ende der Welt.

Sehenswert

Salz, Kehlstein & Geschichte: lohnende Stopps für Regentage

Wenn der Föhn kippt und das Gewitter über dem Watzmann aufzieht, muss der Tag nicht gelaufen sein. Das Berchtesgadener Land hat eine Reihe überdachter Ziele, die auch bei Dauerregen funktionieren – und teils zum Eindrücklichsten gehören, was die Region zu bieten hat.

Salzbergwerk Berchtesgaden

Das Salzbergwerk in der Bergwerkstraße 83, 83471 Berchtesgaden, ist der klassische Regentag-Stopp: Tief unter der Erde herrscht konstant kühles, trockenes Klima. Die rund einstündige Führung verbindet Geschichte und Erlebnis – Grubenbahn, Bergmannsrutschen und ein unterirdischer Salzsee. Erreichbar telefonisch unter +49 8652 6002-0. Im Sommerhalbjahr ist täglich geöffnet, im Winter mit verkürzten Zeiten, etwa von 11:00 bis 15:00 Uhr. Erwachsene zahlen rund 14,90 Euro, mit Einkleiden sollte man 1,5 bis 2 Stunden einplanen.

Dokumentation Obersalzberg

Am Obersalzberg in der Salzbergstraße 41, 83471 Berchtesgaden, liegt die Dokumentation Obersalzberg. Sie arbeitet seit 1999 die NS-Vergangenheit dieses Ortes auf und wurde im September 2023 in einem deutlich größeren Neubau mit der Dauerausstellung „Idyll und Verbrechen" wiedereröffnet. Der Obersalzberg war in der NS-Zeit ein zentraler Macht- und Repräsentationsort; das Kehlsteinhaus war Teil dieses Komplexes. Die Ausstellung ordnet das Geschehen historisch ein und ist ein wichtiger Gegenpol zur reinen Postkarten-Idylle. Geöffnet täglich; der Parkplatz Obersalzberg ist derselbe wie für die Kehlstein-Busse.

Alte Saline Bad Reichenhall

Die Alte Saline in Bad Reichenhall ist die einzige königliche Saline von europäischem Rang, 1837 unter König Ludwig I. errichtet. Eine Führung durch das geschützte Ensemble umfasst das Salzmuseum mit fünf Ausstellungsräumen sowie das verzweigte Stollen- und Brunnensystem im Untergrund, in dem die historische Fördertechnik zu sehen ist. Ein überdachter, gut erreichbarer Stopp für die nördliche Runde. Wer es kompakter mag, überbrückt eine Regenstunde in den Heimatmuseen und überdachten Altstadtgassen von Berchtesgaden und Bad Reichenhall – im Gebirge ist eine Gewitterzelle oft nach ein, zwei Stunden durch.

Sehenswert

Nationalpark-Natur: Königssee, Wimbachklamm & stille Stopps

Motorrad auf der Straße, im Hintergrund die Festung Hohenwerfen auf dem Felsen
Vorbei an der Festung Hohenwerfen

Das Berchtesgadener Land ist nicht nur Asphalt und Aussichtspunkt, sondern ein Stück Hochgebirge mit Schutzstatus. Der Nationalpark Berchtesgaden, 1978 gegründet, ist der einzige Nationalpark in den deutschen Alpen. Das prägt die Landschaft entlang der Routen – und es bedeutet auch: abseits der Straßen gelten Regeln des Naturschutzes.

Obersee und Fischunkelalm

Hinter dem Königssee liegt der stillere Teil: Von der Endstation Salet erreicht man in zehn Minuten zu Fuß den Obersee, der seit der Nationalparkgründung nicht mehr befischt wird; eine weitere Stunde führt zur Fischunkelalm. Wer das einplant, braucht die große Rundfahrt und damit die Sommersaison – außerhalb endet die Schifffahrt an St. Bartholomä.

Watzmann-Ostwand

Die Watzmann-Ostwand ist mit rund 1.800 Metern die höchste Felswand der Ostalpen und fällt direkt zum Königssee ab – ein Anblick, der schon von der Schifffahrt aus beeindruckt. Sie ist ausschließlich alpinistisches Gelände und hat seit der Erstbegehung 1881 zahlreiche Bergsteiger das Leben gekostet; für Motorradreisende ist sie reines Schaustück, kein Ziel zum Betreten.

Pausenplätze und die Spanne der Temperaturen

Der Hintersee bei Ramsau ist der ruhigste Platz der Region – Wasser, Bergkulisse, Einkehr am Ufer. Wie weit die Region klimatisch auseinanderliegt, zeigt eine Zahl: Die Jahresmitteltemperaturen reichen von etwa +7 °C am Königssee bis unter −2 °C in den Gipfelregionen von Watzmann und Hochkalter. Pausen plant man am besten an den Seeufern, an den Aussichtsparkplätzen der Rossfeldstraße oder an den Almgasthöfen entlang der B305.

Ein Fahrgebiet ohne Durchgangsverkehr

Berchtesgaden ist für den Motorradfahrer ein Ziel, kein Zwischenstück. Wer von München nach Salzburg oder weiter nach Tirol will, hat keinen Grund, den Kessel zu befahren – die schnellen Achsen laufen nördlich und östlich daran vorbei. Das hat eine Folge, die man sofort spürt: Auf den Straßen im Tal ist praktisch nur Verkehr unterwegs, der genau hierher wollte. Ausflügler, Reisemobile, Linienbusse, Lieferverkehr für die Betriebe. Fernlaster fehlen fast völlig, dafür schwankt das Aufkommen extrem mit Wochentag, Uhrzeit und Wetterbericht.

Motorräder auf der Auffahrt zum Filzensattel vor schroffen Felsgipfeln
Auffahrt zum Filzensattel

Für die Tourenplanung zweierlei. Erstens lohnt es sich, den Tag früh zu beginnen und die publikumsträchtigen Punkte vor dem späten Vormittag abzuhaken – danach verschiebt sich der Spaß von den Kurven auf die Warteschlange am Parkplatz. Zweitens lässt sich eine echte Rundfahrt kaum planen, ohne österreichisches Gebiet zu berühren. Bayerisches Land liegt hier nur nach Norden hin an, alles andere ringsum gehört zum Bundesland Salzburg. Wer partout auf deutschem Boden bleiben will, fährt dieselben Achsen zweimal. Wer die Grenze mitnimmt, hat plötzlich ein Vielfaches an Streckenoptionen.

Grenzformalitäten gibt es im Alltag keine, Ausweis und Fahrzeugpapiere gehören trotzdem griffbereit ins Gepäck – stichprobenartige Kontrollen an den Übergängen sind möglich. Und weil die Wege kurz sind, verschiebt sich der Maßstab: Ein Fahrtag hier misst sich nicht in Kilometern, sondern in Höhenmetern und Stopps.

Rossfeld: bezahlte Höhe statt Passüberquerung

Die Rossfeldstraße ist die einzige Strecke der Region, die man ausschließlich des Fahrens wegen befährt. Sie verbindet nichts miteinander, sie führt nirgendwo hin – sie steigt vom Obersalzberg auf über 1.500 Meter, läuft ein Stück über den Kamm und fällt auf der anderen Flanke Richtung Marktschellenberg wieder ab. Damit unterscheidet sie sich grundsätzlich von einem Pass, der immer auch Verkehrsweg zwischen zwei Tälern ist. Hier oben fährt niemand, der es eilig hat.

Das Mautprinzip verstärkt diesen Charakter. Eine Gebühr an der Schranke filtert alles heraus, was nur zufällig vorbeikäme. Übrig bleibt Zielverkehr: Motorräder, Cabrios, Radfahrer, Wanderer auf dem Weg zu den Parkplätzen am Kamm. Der Verkehr ist damit dünner als auf den Talstraßen, aber langsamer und unberechenbarer – gerechnet werden muss mit Fahrzeugen, die mitten in der Kurve wegen der Aussicht verzögern, und mit Fußgängern, die zwischen Parkbucht und Fahrbahn wechseln.

Fahrerisch sind es zwei verschiedene Straßen. Die Auffahrten sind waldig, teils eng und im Schatten lange feucht. Der obere Ring ist offen, breit einsehbar und stark dem Wind ausgesetzt. Genau dort passieren die typischen Fehler: kalte Reifen nach einer langsamen Auffahrt, dazu eine Kurvenfolge, die zu schnellem Fahren einlädt, und Seitenwind an den Kammstücken. Ein Teilstück des oberen Rings verläuft über österreichisches Staatsgebiet, ohne dass es dafür irgendeine Formalität bräuchte. Die Straße ist grundsätzlich das ganze Jahr befahrbar, das heißt aber nicht, dass sie im Winterhalbjahr sinnvoll zu fahren wäre – Schneereste, Nässe und Streugut liegen oben deutlich länger als im Tal.

Sackgassen mit Schutzstatus

Das Berchtesgadener Land hat auffällig viele Straßen, die einfach aufhören. Das ist kein Planungsversäumnis, sondern das Ergebnis von Topografie und Schutzgebiet. Der Nationalpark deckt die inneren Talkammern ab, und dort führen keine Durchgangsstraßen hinein. Das Wimbachtal ist für den motorisierten Individualverkehr tabu, das Klausbachtal hinter Ramsau ebenso; die Verbindung über den Hirschbichl nach Österreich ist keine Straße für Motorräder, sondern Almstraße mit Sperre.

In der Praxis: Die schönsten Talschlüsse fährt man hin und zurück, mit einem Fußweg dazwischen. Zum Königssee endet der Asphalt in Schönau am Parkplatz, der Rest des Sees ist ausschließlich per Schiff und zu Fuß zu erreichen. Ins Ramsauer Hintertal geht es über eine Stichstraße, die am Hintersee ausläuft. Und der Kehlstein ist mit dem eigenen Fahrzeug überhaupt nicht erreichbar – dort endet die eigene Fahrt am Parkplatz Obersalzberg.

Wer das akzeptiert, plant anders: nicht als durchgehende Kurvenkette, sondern als Stern mit dem Quartier in der Mitte. Ein paar Punkte, die dabei helfen:

  • Stichstraßen möglichst früh am Tag fahren – auf dem Rückweg trifft man den Andrang, der morgens noch nicht da war.
  • Gepäck und Helm nicht am Motorrad lassen, wenn ein längerer Fußweg oder eine Bootsfahrt ansteht.
  • An den Talschlüssen sind Parkflächen kostenpflichtig und im Sommer früh voll; Motorräder finden meist noch eine Lücke, verlassen darf man sich darauf nicht.
  • Höhenmeter statt Kilometer als Maßstab nehmen – die kurzen Anfahrten täuschen über die tatsächliche Fahrzeit hinweg.

Das östliche Ende der Deutschen Alpenstraße

Die Deutsche Alpenstraße läuft hier aus. Was von Westen als lange Kette bayerischer Voralpentäler beginnt, endet im Berchtesgadener Kessel – und die letzten Kilometer sind fahrerisch die alpinsten der gesamten Route. Aus Richtung Inzell und Ruhpolding kommend zieht sich die Strecke durch bewaldete Enge, nimmt mit der Schwarzbachwacht einen kurzen, echten Sattel und fällt dann nach Ramsau ab. Es ist die einzige Zufahrt der Region mit Passcharakter.

Diese Achse verdient bei der Planung mehr Aufmerksamkeit, als ihr üblicherweise zukommt. Sie ist erstens die Verbindung zum Chiemgau, macht also aus einem Standquartier im Kessel ein Sprungbrett für Tagestouren nach Westen. Sie ist zweitens die landschaftlich lohnendere Anreise gegenüber der schnellen Variante über Bad Reichenhall. Und sie ist drittens eine Strecke, auf der im Sommer regelmäßig schwere Motorradunfälle passieren – gut ausgebaut, breit genug für hohe Kurvengeschwindigkeiten, mit Gefällestücken und einer Verkehrsmischung aus Reisemobilen und Linienverkehr. Die Kombination aus einladendem Belag und langsamem Gegenverkehr ist das eigentliche Risiko, nicht die Kurve selbst. Der zweite Zulauf, aus Richtung Bad Reichenhall, ist die zügige, weniger anspruchsvolle Variante: für die Anreise mit Gepäck die vernünftige Wahl, fürs Fahren am freien Tag die schlechtere.

Salzburger Umland als zweiter Fahrraum

Wer nur den deutschen Anteil der Region abfährt, ist nach zwei Tagen durch. Der eigentliche Radius entsteht durch das, was gleich hinter der Grenze liegt. Vom Talausgang bei Marktschellenberg sind es wenige Kilometer bis ins Salzachtal, und von dort öffnet sich ein Streckennetz, das mit dem Kessel nichts mehr gemein hat: breite Talachsen, lange Kurvenzüge, Seitentäler in den Tennengau und ins Salzkammergut, dazu die klassischen Anschlüsse nach Süden Richtung Pinzgau.

Ein Punkt gehört dabei in die Planung: Im Salzburger Umland liegen mehrere private Mautstraßen und Panoramastrecken mit eigener Gebühr, teils mit Zufahrtsbeschränkungen für Motorräder oder saisonalen Sperrzeiten. Was jeweils gilt, steht an der Schranke. Wer seine Runden konsequent auf das untergeordnete Netz legt, spart sich zugleich die Vignette – was ohnehin die bessere Streckenwahl ist.

Praktisch ergibt sich damit eine saubere Aufteilung: Die deutschen Kilometer liefern Höhe, Panorama und Sehenswürdigkeiten auf engstem Raum, die österreichischen liefern Fahrstrecke. Ein Wochenprogramm aus beidem funktioniert deutlich besser als der Versuch, allein im Kessel Abwechslung zu finden.

Landschafts-Highlights, die du mit dem Motorrad erreichst

Motorräder auf der Roßfeldpanoramastraße hoch über dem Tal

Roßfeldpanoramastraße

Höchste durchgehende Straße Deutschlands und das Fahr-Highlight der Region: eine echte Kammstraße statt bloßer Talverbindung, rund 16 km Ring mit Steigungen bis 13 %. Oben öffnet sich der Blick über das Salzachtal zum Hohen Göll und nach Salzburg – ein Teilstück verläuft sogar über österreichisches Staatsgebiet.

Anfahrt
Von Berchtesgaden über den Obersalzberg (B 319) hinauf; der Ring lässt sich auf einer Flanke hinauf- und Richtung Marktschellenberg wieder hinunterfahren.
Motorrad-Parken
Aussichts-Parkplätze direkt an der Ringstraße auf der Kammhöhe, mit Stellflächen für Motorräder.
Öffnungszeiten
Mautstraße (Motorrad 6 €, Pkw 9,50 €, Stand 2026); tagsüber befahrbar, obere Abschnitte bei Schnee gesperrt.
Höhe/Aussicht
bis rund 1.570 m (höchster Punkt); Kammlage mit Fernblick

Königssee mit Malerwinkel (Schönau am Königssee)

Der fjordartige See ist der östliche Endpunkt der Deutschen Alpenstraße und ein klassischer Foto-Stopp: Vom Malerwinkel öffnet sich der bekannte Blick über das Wasser zur Wallfahrtskirche St. Bartholomä. Befahren wird der See ausschließlich mit leisen Elektrobooten.

Anfahrt
Rund 5 km von Berchtesgaden nach Schönau am Königssee, am Ende der Alpenstraßen-Achse.
Motorrad-Parken
Großer, kostenpflichtiger Parkplatz am Seeende in Schönau, Motorrad-Stellflächen vorhanden.
Öffnungszeiten
Uferbereich und Malerwinkel frei zugänglich; Elektroboot-Fahrten kostenpflichtig und saisonal.
Höhe/Aussicht
Seespiegel 603 m, bis 190 m tief, rund 7,2 km lang

Kehlsteinhaus (Eagle's Nest)

Der auf einem Felskopf thronende Bau aus der NS-Zeit ist heute Ausflugsziel mit Rundum-Panorama über das Berchtesgadener Land und die Salzburger Alpen. Der Weg hinauf gehört dazu: eine steile Bergstraße mit fünf Tunneln und ein 124 m langer Messing-Aufzug ins Innere des Felsens.

Anfahrt
Mit dem Motorrad bis zum Obersalzberg (B 319); ab dort nur mit dem Kehlstein-Linienbus (RVO) – die Kehlsteinstraße ist für private Fahrzeuge gesperrt.
Motorrad-Parken
Parkplatz an der Kehlstein-Busabfahrt am Obersalzberg.
Öffnungszeiten
Saisonbetrieb etwa Mitte Mai bis Ende Oktober; im Winter geschlossen.
Höhe/Aussicht
Gebäude auf rund 1.830 m; Aussichtsterrasse mit Weitblick

Ramsau: Kirche St. Sebastian und Hintersee

Die kleine Pfarrkirche St. Sebastian (1512) mit dem Holzsteg über die Ramsauer Ache und der Reiteralpe im Hintergrund ist ein berühmtes Landschaftsmotiv. Wenige Kilometer weiter liegt der Hintersee mit dem vom Bergsturz geprägten Zauberwald.

Anfahrt
Über die B 305 (Deutsche Alpenstraße) nach Ramsau; zum Hintersee weiter ins Tal (die Weiterfahrt zum Hirschbichl ist für Kfz gesperrt).
Motorrad-Parken
Ortsparkplätze in Ramsau sowie ein Parkplatz am Hintersee.
Öffnungszeiten
Kirche und Seeufer frei zugänglich.

Wallfahrtskirche Maria Gern

Die barocke Wallfahrtskirche (1708–1710, geweiht 1724) auf einem kleinen Hügel nördlich von Berchtesgaden liefert ein beliebtes Bildmotiv: das weiße Kirchlein mit dem Untersberg im Rücken. Ein ruhiger Abstecher abseits der Hauptachsen.

Anfahrt
Über eine schmale Nebenstraße von Berchtesgaden nach Norden ins Gerntal (Ortsteil Gern), wenige Kilometer.
Motorrad-Parken
Kleiner Parkplatz am Ort; für Motorräder unproblematisch.
Öffnungszeiten
Frei zugänglich.

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